Mittwoch, 8. August 2012

Probelesen meines neuen Buches Viktor Vauh und der Sinn des Lebens, Kapitel 1-3, von 66


Dieter Strecker
Viktor Vauh und der Sinn des Lebens

 Teil 5 der Viktor Vauh Saga

 

c: 2012

 
Vorwort:

Das Buch von Irvin D.Yalom: Existentielle Psychotherapie ist so wichtig für alle Menschen, dass ich mich entschlossen habe, wesentliche Erkenntnisse literarisch als Erzählung darzustellen. Aus diesem Grund verwende ich viele Gedanken, ohne sie nach wissenschaftlichen Kriterien mit Seitenzahl zu zitieren.




Überblick der Kapitel 1 – 9

  1. Viktor und sein neuer Lehrer Yalom
  2. Viktor als „Anti-Freud“ (1)
  3. Viktor als „Anti-Freud“ (2)
  4. Der Beruf des Therapeuten (1)
  5. Der Beruf des Therapeuten (2)
  6. Der Kardinal und der Tod (1)
  7. Der Geschmack des Lebens
  8. Wer bin ich?
  9. Peter Joshua und die Überwindung der Todesangst






Kapitelübersicht: 10-15


  1.  Woher die Angst kommt
  2.  Furcht ist nicht Angst
  3.  Die Furcht, die Angst, Rumpelstilzchen und der Tod
  4.  Die Angst vor dem Versagen
  5.  Auf Teneriffa (1): Im Kiefernwald von Aguamansa
  6.  In der Schutzhütte „El Tope“


 

1. Viktor und sein neuer Lehrer: Yalom

Monate später besuchte der Kardinal  Viktor auf seinem Hausboot am Rhein. Sie saßen auf dem Deck und beobachteten das gegenüberliegende Ufer in Oberkassel. „Ich freue mich, dass du wieder sehen kannst, wenn es auch nur wenig zu sein scheint, Viktor.“ - „Konrad, das wenige ist mehr als ausreichend, es ist befriedigend.“ -„Möchtest du mir erzählen, was in den USA mit dir gemacht wurde?“ – „Nein, das ist der Rede nicht wert. Wichtiger ist, was ich mit mir gemacht habe.“  Mit seinem Schweigen deutete der Kardinal an, Viktor möge fortfahren. „Nun, ich habe mich von einem Irrtum befreit, nämlich mich als Freudianer zu bezeichnen. Freud begleitet mich immer noch, aber ich habe durch ein Buch erkannt*, dass er nicht der Mensch ist, der mich fürderhin als Therapeut und Mensch begleiten soll. Als Vorbild fühle ich mich Yalom**verbunden, der mir – nun im übertragenen Sinne – die Augen geöffnet hat.“ „Und warum nicht mehr Freud, auf den du doch so große Stücke gehalten hast?“




2. Viktor als „Anti-Freud“ (1)




„“Freud hat mir eine Fülle von Erkenntnissen und Hilfen geschenkt. Dafür bin ich wahrlich dankbar. Aber schon seit den Jahren als Professor in nn suchte ich vergebens nach einer Bestätigung meines Ansatzes, nämlich den Patienten dort abzuholen, wo er sich befindet (und nicht dort, wo ich ihn haben will) und die Wichtigkeit der Hilfsverben  in dem Axiom: Ich zeige dir den Weg, den du gehen kannst, darfst/sollst/mußt/könntest. Ich verneine nicht seine großen und hilfreichen Erkenntnisse, die bis in meine Jugend hinein nicht gesagt wurden, weder in der Schule, noch in der Kirche und schon gar nicht bei meinen Eltern, wie zum Beispiel: Kinder haben Sexualität, oder Homosexualität und Masturbation sind gut. Hilfreich für mich war die Erkenntnis, dass Körper und Geist nicht getrennt werden dürfen, was ja sinnvollerweise in der Medizin zu dem Fachbegriff „Psychosomatik“ führte, also der Erkenntnis, dass körperliche Erkrankungen seelische Ursachen haben können. Oder die heilende Kraft des Sprechens, die ja gerade du in deiner Situation mit mir als wohltuend erfährst.“ – „Ja, Viktor, das stimmt.Aber warum nun dein Abfall von Freud?“ *


 
3. Viktor als „Anti –Freud“ (2)

„Ich bin nicht völlig von Freud abgefallen und habe mich schnurstracks in die Arme von Yalom begeben. Ich sehe nun manches mit anderen Augen bei ihm. Erst jetzt nach der Lektüre bei Onfrey habe ich mein Unbehagen während der Lektüre seiner Fälle wieder entdeckt, ein Unbehagen, welches ich schon früher gespürt hatte, aber nicht wahrhaben wollte.“ – „Unbehagen? Welches Unbehagen?“ – „Menschen suchten bei ihm Heilung. Aber er war nicht interesssiert an den Menschen-. sondern an der Durchsetzung seiner Theorie. Was seine Patienten betraf, sprach er sogar von Gesindel“. – „Das glaube ich nicht!“  - „Doch, das darfst du glauben. Er hat es gegenüber seinem Kollegen Sandor Ferenczi ** geäußert. Und was mich schon damals irritierte, dass sein berühmter Fall, der „Wolfsmann“, 60 Jahre lang sein Patient war. 60 Jahre! Das muß doch schneller gehen, damit noch Leben in das Alter nach der Heilung kommt. Und bei Emma Eckstein hat er einen schweren Fehler gemacht.“ – „Die hysterische Frau mit den dauernden Blutungen?“ – „Das mit den Blutungen stimmt, aber nicht die Hysterie. Oder ihre erotischen Wünsche ihm, Freud, gegenüber. Die wahren Ursachen waren gutartige Tumore bei Frau Eckstein, was der große Guru aber bis 1937 nicht wahrhaben wollte. Gewiß: Freud hat die Trennung von Körper und Geist überwunden und hat segensreich darauf hingewiesen, dass seelische Krankheiten körperliche Ursachen haben,“ – „Diesen Verdienst darf man auch nicht schmälern.“ – „Wer ist „man“?“ – „Kannst selbst du nicht schmälern.“ insistierte der Kardinal. – „Will ich auch nicht. Dass es eine Seele und das Unbewußte gibt, das hat er  mit Recht und Erfolg in gewissen Kreisen Wiens zum Thema gemacht. Die  Wiener in diesen Kreisen waren offen für das Mysthische. Und er hat viel Geld mit dem Ganzen gemacht, wie dem Ödipus-Komplex. Ödipus mußte für alles Mögliche herhalten, vom Durchfall bis zum Muttersönchen-Verhalten. Und er hat Geld damit verdienst, weil er Geld brauchte.“ – „Er war doch reich!“ – „Auch reiche Leute mit einer 15  Zimmer Villa, 6 Kindern, Frau, Haushaltshilfen kosten viel Geld. Er nahm übrigens pro Stunde von den reichen gutgläubigen Patienen bis zu 450 € pro Sitzung. Ich will ihm zugute halten, dass er später ein Teil seiner abstrusen Theorien revidierte oder nicht mehr erwähnte.“ – „Aber er entdeckte die seelische Krankheit!“ – „Nein, hat Kolumbus Amerika entdeckt, er allein? Gab es nicht die Normannen, die vorher da waren? Freud liebte Legenden, die für ihn und seinen Größenwahn nützlich waren.“ Der Kardinal schwieg.

Viktor fuhr fort: „Was mich auf psychologischer Ebene sehend gemacht hat, war die Beschäftigung mit Irvin D. Yalom, den ich schon Jahre zuvor in den USA kennenlernen durfte und dessen Hauptwerk ich nun las beziehungsweise vorgelesen bekam: Existentiele Psychotherapie. Davon möchte ich dir jetzt berichten. Die Gedanken werden dir gefallen und helfen.“

.....weitere Kapitel, 4+5


4.Der Beruf des Therapeuten (1)

 „Zunächst also einige Grundgedanken über den Beruf des Therapeuten:Der Patient sucht vielleicht in seiner Krise sinnvolle Wege, die ihn aus der Krise herausführen mögen. Ob diese Wege partout richtig sind oder falsch, darf der Therapeut in der Regel nicht beurteilen. Wohin der Weg auch gehen mag: der Therapeut muß vor allem begleiten, aber er darf auch vorsichtig mahnen, wenn er den Weg für gefährlich und nicht hilfreich hält. Damit ist die Wichtigkeit einer interaktiven Beziehung zwischen Patient und Therapeut als Basis herausgestellt: Therapie darf nie und nimmer theoriegesteuert sein, sondern beziehungsgesteuert.“ – „Aber Menschen gehen doch auch deswegen zum Therapeuten, weil dieser einer bestimmt Theorie anhängt, zum Tiefenpsychologen beispielsweise.“ – „Wer nur diesen theoretischen Weg folgt, verliert  den Menschen, den er begleiten möchte.“ – „Aber es muß doch eine Distanz zwischen Therpeut und Patient geben!“  „Muß es das wirkklich angesichts der Tatsache, dass Therapeut und Patient mit den gleichen Lebenstatsachen konfrontiert sind, mit dem Tod zum Beispiel oder dem Gedanken der Schuld. Und was die Schuld betrifft, so müssen Patient und Therapeut sehr vorsichtig mit dem Begriff sein, denn Schuld hat mit Absicht zu tun. Und wer will denn absichtlich sich oder einem anderen Menschen schaden. Bleiben wir bei der Parallele zwischen Arzt und Patient. Da sie mit denselben Lebenstatsachen konfrontiert sind, sind sie Reisegefährten (Yalom) oder Weggefährten.“

„Du nennst dich einen existentiellen Therapeuten. Der Begriff stammt nicht von dir, nicht wahr? – „Den Begriff habe ich von Yalom übernomen, weil ich mich nicht wie Freud auf die Vergangenheit und die Mängel und Defizite dieser Zeit konzentriere....“ – „Aber die sind doch so wichtig!“ – „Sie sind wichtig, aber nicht so sehr. Wichtiger sind die Gegebenheiten des Jetzt, die jetzige Situation des Patienten. Und heilend ist die Beziehung zum Therapeuten, der durch Nähe, Empathie dem Patienten begegnet, um dessen Sinnverlust  und Lähmungen, zum Beispiel bei Entscheidungen,zu heilen. Noch enmal: Heilen muß er oder sie sich selbst, aber er oder sie dürfen vom Therapeuten auf deren Weg nicht allein gelassen werden.“ – „Der Therapeut als Mutter oder Vater, und der Patient als Kind?“ – „Von mir aus in diesen Worten, denn es geht um das Sicherheitsbedürfnis, es geht um Angst-Reduzierung, es geht um Akzeptanz und Sicherheit.“

 5. Der Beruf des Therapeuten (2)

 „Du kannst als Therapeut nicht alle Konflikte oder Konfrontationen eines Patienten lösen. „ _ „Da magst du Recht haben, wobei ich weiß, dass ich das nicht kann. Aber um möglichst viele Konflikte zu lösen. muß ich möglichst viel wissen, muß wieder und wieder nachdenken über meine Grenzen und Möglichkeiten, so bescheiden letztere auch sein mögen. Nach Yalom bedeutet das, Kenntnis über die „letzten Dinge“ zu haben als da wären: Tod, Freiheit, Isolation, Sinnlosigkeit.“ – „Und die Angst?“- „Sie scheint dein  und mein großes Thema zu sein. Sie bestimmt unser Leben mehr und stärker als unsere Instinkte. Ansonsten wird unsere Zukunft zur Vergangenheit und nicht zur Gegenwart. Letztlich geht es um die Wahrheit, so schmerzhaft sie sein mag, und nicht um Verdrängung.“- „Das kann dazu führen, dass du verrückt wirst, wenn du dich permanent mit  den schrecklichen existentiellen Dingen wie der Angst beschäftigst.“ – „Don Quichote fragte einmal: „Welches von beiden möchtest du haben: weise Verrücktheit oder närrische Gesundheit?“ Der Kardinal schwieg. Viktor erklärte: „Den Schmerz mußt du als Therapeut aushalten, wenn du dich mit den Folgen oder Gegebenheiten der Existenz beschäftigst. Aber es macht dich gesund und den Patienten letztlich auch. Nur die Wahrheit hilft, was bedeutet, dass du auch das Schlimmste betrachten und zu verstehen versuchen mußt.“ – Der Kardinal schwieg erneut und meinte dann leise mehr zu sich denn zu Viktor sprechend: „Das Wort „müssen“ habe ich bisher in Bereich der katholischen Kirche angesiedelt und nicht in der Therapie.“  Viktor schmunzelte und antwortete: „Ein guter kirchlicher Seelsorger ist immer auch ein guter Therapeut und ein wirklich guter Therapeut weiß, dass er oder sie den Menschen ermutigen muß, sich der eigenen Existenz zu stellen, diese anzuschauen, auch wenn das Resultat der Betrachtung zunächst ein schrecklicher Anblick ist.“- „Aber lieber Viktor, du nimmst dem Menschen, dem Patienten, seine Wahlmöglichkeit. Er oder sie könnte seine Probleme nicht anschauen wollen.“ – „Ja, das könnte er, aber wenn er zu mir kommt, dann akzeptiere ich ihm diese Wahlmöglichkeit nicht, auch weil die Verweigerung der Wahlmöglichkeit auch eine Wahl ist.  Ein Mensch, der gute Zwecke verfolgt, wert – und sinnvoll leben möchte, verirrt sich nicht in meine Praxis oder ich verweigere ihm das Gespräch mit mir.“ – „Wer soll denn in deine Praxis kommen?“ - „Menschen wie du, Menschen, die akzeptieren, dass ein existentieller Therapeut nicht nach den Abweichungen von den Normen in dieser ver – rückten Welt fragt, sondern nach seiner privaten Welt und Existenz.“