Dieter Strecker
Viktor Vauh und
der Sinn des Lebens
Teil 5 der Viktor Vauh Saga
c: 2012
Vorwort:
Das Buch von Irvin D.Yalom: Existentielle Psychotherapie
ist so wichtig für alle Menschen, dass ich mich entschlossen habe, wesentliche
Erkenntnisse literarisch als Erzählung darzustellen. Aus diesem Grund verwende
ich viele Gedanken, ohne sie nach wissenschaftlichen Kriterien mit Seitenzahl
zu zitieren.
Überblick der Kapitel 1 – 9
- Viktor und sein neuer Lehrer Yalom
- Viktor als „Anti-Freud“ (1)
- Viktor als „Anti-Freud“ (2)
- Der Beruf des Therapeuten (1)
- Der Beruf des Therapeuten (2)
- Der Kardinal und der Tod (1)
- Der Geschmack des Lebens
- Wer bin ich?
- Peter Joshua und die Überwindung der Todesangst
Kapitelübersicht: 10-15
- Woher die Angst kommt
- Furcht ist nicht Angst
- Die Furcht, die Angst, Rumpelstilzchen und der Tod
- Die Angst vor dem Versagen
- Auf Teneriffa (1): Im Kiefernwald von Aguamansa
- In der Schutzhütte „El Tope“
1. Viktor und sein neuer Lehrer: Yalom
Monate später
besuchte der Kardinal Viktor auf seinem
Hausboot am Rhein. Sie saßen auf dem Deck und beobachteten das
gegenüberliegende Ufer in Oberkassel. „Ich freue mich, dass du wieder sehen
kannst, wenn es auch nur wenig zu sein scheint, Viktor.“ - „Konrad, das wenige
ist mehr als ausreichend, es ist befriedigend.“ -„Möchtest du mir erzählen, was
in den USA mit dir gemacht wurde?“ – „Nein, das ist der Rede nicht wert.
Wichtiger ist, was ich mit mir gemacht habe.“
Mit seinem Schweigen deutete der Kardinal an, Viktor möge fortfahren.
„Nun, ich habe mich von einem Irrtum befreit, nämlich mich als Freudianer zu
bezeichnen. Freud begleitet mich immer noch, aber ich habe durch ein Buch
erkannt*, dass er nicht der Mensch ist, der mich fürderhin als Therapeut und
Mensch begleiten soll. Als Vorbild fühle ich mich Yalom**verbunden, der mir –
nun im übertragenen Sinne – die Augen geöffnet hat.“ „Und warum nicht mehr
Freud, auf den du doch so große Stücke gehalten hast?“
2. Viktor als „Anti-Freud“ (1)
„“Freud hat mir eine
Fülle von Erkenntnissen und Hilfen geschenkt. Dafür bin ich wahrlich dankbar.
Aber schon seit den Jahren als Professor in nn suchte ich vergebens nach einer
Bestätigung meines Ansatzes, nämlich den Patienten dort abzuholen, wo er sich
befindet (und nicht dort, wo ich ihn haben will) und die Wichtigkeit der
Hilfsverben in dem Axiom: Ich zeige dir
den Weg, den du gehen kannst, darfst/sollst/mußt/könntest. Ich verneine
nicht seine großen und hilfreichen Erkenntnisse, die bis in meine Jugend hinein
nicht gesagt wurden, weder in der Schule, noch in der Kirche und schon gar
nicht bei meinen Eltern, wie zum Beispiel: Kinder haben Sexualität, oder
Homosexualität und Masturbation sind gut. Hilfreich für mich war die Erkenntnis,
dass Körper und Geist nicht getrennt werden dürfen, was ja sinnvollerweise in
der Medizin zu dem Fachbegriff „Psychosomatik“ führte, also der Erkenntnis,
dass körperliche Erkrankungen seelische Ursachen haben können. Oder die
heilende Kraft des Sprechens, die ja gerade du in deiner Situation mit mir als
wohltuend erfährst.“ – „Ja, Viktor, das stimmt.Aber warum nun dein Abfall von
Freud?“ *
3. Viktor als „Anti –Freud“ (2)
„Ich bin nicht
völlig von Freud abgefallen und habe mich schnurstracks in die Arme von Yalom
begeben. Ich sehe nun manches mit anderen Augen bei ihm. Erst jetzt nach der
Lektüre bei Onfrey habe ich mein Unbehagen während der Lektüre seiner Fälle
wieder entdeckt, ein Unbehagen, welches ich schon früher gespürt hatte, aber
nicht wahrhaben wollte.“ – „Unbehagen? Welches Unbehagen?“ – „Menschen suchten
bei ihm Heilung. Aber er war nicht interesssiert an den Menschen-. sondern an
der Durchsetzung seiner Theorie. Was seine Patienten betraf, sprach er sogar
von Gesindel“. – „Das glaube ich nicht!“
- „Doch, das darfst du glauben. Er hat es gegenüber seinem Kollegen
Sandor Ferenczi ** geäußert. Und was mich schon damals irritierte, dass sein
berühmter Fall, der „Wolfsmann“, 60 Jahre lang sein Patient war. 60 Jahre! Das
muß doch schneller gehen, damit noch Leben in das Alter nach der Heilung kommt.
Und bei Emma Eckstein hat er einen schweren Fehler gemacht.“ – „Die hysterische
Frau mit den dauernden Blutungen?“ – „Das mit den Blutungen stimmt, aber nicht
die Hysterie. Oder ihre erotischen Wünsche ihm, Freud, gegenüber. Die wahren
Ursachen waren gutartige Tumore bei Frau Eckstein, was der große Guru aber bis
1937 nicht wahrhaben wollte. Gewiß: Freud hat die Trennung von Körper und Geist
überwunden und hat segensreich darauf hingewiesen, dass seelische Krankheiten
körperliche Ursachen haben,“ – „Diesen Verdienst darf man auch nicht
schmälern.“ – „Wer ist „man“?“ – „Kannst selbst du nicht schmälern.“
insistierte der Kardinal. – „Will ich auch nicht. Dass es eine Seele und das
Unbewußte gibt, das hat er mit Recht und
Erfolg in gewissen Kreisen Wiens zum Thema gemacht. Die Wiener in diesen Kreisen waren offen für das
Mysthische. Und er hat viel Geld mit dem Ganzen gemacht, wie dem
Ödipus-Komplex. Ödipus mußte für alles Mögliche herhalten, vom Durchfall bis
zum Muttersönchen-Verhalten. Und er hat Geld damit verdienst, weil er Geld
brauchte.“ – „Er war doch reich!“ – „Auch reiche Leute mit einer 15 Zimmer Villa, 6 Kindern, Frau,
Haushaltshilfen kosten viel Geld. Er nahm übrigens pro Stunde von den reichen
gutgläubigen Patienen bis zu 450 € pro Sitzung. Ich will ihm zugute halten,
dass er später ein Teil seiner abstrusen Theorien revidierte oder nicht mehr
erwähnte.“ – „Aber er entdeckte die seelische Krankheit!“ – „Nein, hat Kolumbus
Amerika entdeckt, er allein? Gab es nicht die Normannen, die vorher da waren?
Freud liebte Legenden, die für ihn und seinen Größenwahn nützlich waren.“ Der
Kardinal schwieg.
Viktor fuhr fort:
„Was mich auf psychologischer Ebene sehend gemacht hat, war die Beschäftigung
mit Irvin D. Yalom, den ich schon Jahre zuvor in den USA kennenlernen durfte
und dessen Hauptwerk ich nun las beziehungsweise vorgelesen bekam: Existentiele
Psychotherapie. Davon möchte ich dir jetzt berichten. Die Gedanken werden dir
gefallen und helfen.“